Über die Hängebrücke am Vinschger Sonnenberg — von St. Martin im Kofel nach Goldrain
Manche Highlights stehen auf keinem Plakat. Die Hängebrücke über den Fallerbach ist so eines: 70 Meter lang, rund 50 Meter über dem Bachbett, mitten in einem Steilhang, den man nur zu Fuß erreicht. Wer sie sehen will, muss ein Stück gehen — und genau das macht sie so reizvoll.
Gebaut wurde sie nicht als Attraktion, sondern aus Notwendigkeit. Der Vinschger Höhenweg querte hier eine Rinne, die von Lawinen, Steinschlag, Muren und Hochwasser regelmäßig verlegt wurde; provisorische Übergänge hielten selten lange. 2022 wurde die Stahlkonstruktion montiert — und aus einer Gefahrenstelle wurde eines der schönsten Wegstücke am Sonnenberg.
Der Weg
Der Einstieg ist bequem: Die Seilbahn bringt uns von Latsch in acht Minuten und über 1.100 Höhenmeter hinauf ins Bergbauerndorf St. Martin im Kofel (1.740 m). Von der Bergstation folgen wir dem Vinschger Höhenweg westwärts. Zunächst führt eine schmale Höfestraße in leichtem Auf und Ab in das Tal des Tissbaches, dann geht es auf Steig Nr. 14 weiter an der Jausenstation Egg vorbei.
Ab hier zeigt der Sonnenberg sein Gesicht: karge, sonnenverbrannte Hänge, Steppenflora, Föhren, dazwischen die Mauerreste aufgelassener Bergbauernhöfe — Forra, Laggar, Zuckbichl. Der Blick geht über den Vinschgauer Talkessel hinüber zur Ortlergruppe und ins Martelltal. Der Weg ist streckenweise schmal und ausgesetzt, technisch aber unschwierig.
Nach etwa fünf Kilometern und einem zügigen Abstieg um rund 170 Höhenmeter taucht sie zwischen den Bäumen auf: die Hängebrücke über den Fallerbach, auf gut 1.470 m. Sie schwingt spürbar mit — wer nicht ganz schwindelfrei ist, geht besser mittig und ohne Blick nach unten. Auf der anderen Seite folgt ein kurzer Gegenanstieg zu den Ruinen und weiter nach Patsch.
Und dann kommt der lange Teil: der Abstieg nach Goldrain. Rund 850 Höhenmeter fallen auf knapp vier Kilometern ab, teils steil, teils in engen Kehren. Insgesamt sind es auf der Tour etwa 1.200 Höhenmeter bergab. Im Talboden bei Goldrain (ca. 665 m) endet die Wanderung; der Bahnhof liegt in wenigen Gehminuten.
Anreise & Logistik
Die Tour ist eine Einbahnstrecke — mit der Vinschgerbahn ist das aber unkompliziert. Praktischste Variante: am Bahnhof Goldrain parken (kostenloser P+R-Parkplatz), mit dem Zug eine Station nach Latsch fahren, von dort in wenigen Minuten zur Talstation der Seilbahn, hinauffahren und die Tour zurück ins Tal wandern. Umgekehrt geht es genauso: an der Seilbahn in Latsch starten und am Ende von Goldrain mit dem Zug zurück.
Betriebszeiten und Preise der Seilbahn vorab prüfen — sie fährt ganzjährig, hat aber Mittagspause. Für Räder gelten eigene Transportzeiten.
Einkehr
Berggasthof an der Bergstation St. Martin im Kofel, Jausenstation Egg kurz nach dem Start sowie mehrere Hofschänke im Umkreis. Auf der zweiten Hälfte, also ab der Brücke, gibt es unterwegs nichts mehr — Wasser entsprechend einplanen.
Beste Jahreszeit
Frühjahr bis Spätherbst. Der Sonnenberg ist schneearm und früh begehbar, im Hochsommer aber gnadenlos heiß und schattenarm — April bis Juni und September/Oktober sind deutlich angenehmer. Der Abstieg verlangt festes Schuhwerk – bei Nässe ist er rutschig.
Gut zu wissen
Die Brücke wird gelegentlich auch „Forrabach-Hängebrücke“ genannt — offiziell überspannt sie den Fallerbach. „Forra“ ist ein nahegelegener aufgelassener Hof. Geografisch liegt sie am Vetzaner Sonnenberg in der Gemeinde Schlanders, zwischen Patsch und dem verlassenen Zuckbichl-Hof. Goldrain ist der nächstgelegene Ort im Tal. Und noch ein Detail für Zahlenfreunde: Die Konstruktion besteht aus rund 23 Tonnen verzinktem Stahl und hat fast 390.000 EUR gekostet.























































