Strada delle 52 Gallerie – Durch 52 Tunnel auf den Pasubio – Erster Weltkrieg hautnah
Die Tour liegt ca. 30 km östlich des Gardasees, an der Grenze der Provinzen Vicenza und Trient. Ausgangspunkt ist der Parkplatz am Ecomuseo Grande Guerra Prealpi Vicentine an der Bocchetta Campiglia (1.215 m) bei Posina. Man fährt über Rovereto nach Posina (https://www.comune.posina.vi.it). Am Parkplatz gibt es seit 2018/2019 ein neues Informationszentrum mit Ausstellung über den Ersten Weltkrieg am Pasubio – ein lohnender erster Stop vor dem Aufstieg.
Geschichte: Ingenieurleistung unter Kriegsbedingungen
Im Ersten Weltkrieg war der Pasubio von Juni 1916 bis November 1918 Schauplatz blutiger Kämpfe zwischen den italienischen Alpini und den österreichisch-ungarischen Kaiserjägern. Das Problem: Die einzige Versorgungsroute auf den Berg, die Strada degli Scarubbi, war vom gegenüberliegenden Monte Maio aus vollständig einsehbar – und wurde entsprechend beschossen.
Die Lösung: 1917 sprengten und meißelten italienische Militärpioniere in nur wenigen Monaten 52 Tunnel durch die steile Südwestflanke des Pasubio. Die „Strada della Prima Armata“ (Straße der Ersten Armee) war geboren – eine Meisterleistung des Gebirgsbaus unter härtesten Bedingungen. Mit einer Mindestbreite von 2,50 m und Steigungen von bis zu 22 % war sie breit genug für Maultierkolonnen und bot gleichzeitig vollständigen Schutz vor feindlichem Beschuss. Ähnliche Schutzgedanken verfolgten die Erbauer des Alpini-Steigs (https://www.youtube.com/watch?v=UwUJ0ZoYwuE).
Der Europäische Fernwanderweg E5 (Konstanz–Venedig) und der Friedensweg (Sentiero della Pace) führen ebenfalls durch dieses Gebiet und folgen dabei der ehemaligen Frontlinie zwischen den Provinzen Bozen, Trient, Vicenza und Belluno.
Die Tour im Detail
Am markanten rostfarbenen Eingangstor der Strada beginnt der Aufstieg. Gleich zu Beginn merkt man: Diese Straße ist kein normaler Wanderweg. Korkenzieherartige Tunnel winden sich durch den Fels, manche mit Fensterausbrüchen in der Wand – einst Schießscharten, heute Ausblicke auf das Posina-Tal tief unten. Zahlreiche Infotafeln (auf Italienisch, Deutsch und Englisch) erläutern die Geschichte entlang des Weges.
Auf Tunnel 12 lohnt ein genauer Blick an die Decke: Dort haben sich fossile Dinosaurierfußspuren aus der Obertrias erhalten – Sauropodomorphen und Theropoden verschiedener Größen, die vor über 200 Millionen Jahren durch diesen Kalkschlamm stapften.
Am oberen Ende der Strada empfängt einen die Rifugio Generale Achille Papa (1.934 m, https://www.rifugioachillepapa.it) – im Sommer bewirtschaftet und ein idealer Rastplatz. Die Hütte ist nach dem italienischen General benannt, der die Verteidigung des Pasubio 1916 übernahm.
Von der Hütte aus führt der Weg weiter auf die Cima Palon (2.232 m), den höchsten Punkt des Pasubio-Massivs. Oben erwartet einen ein faszinierendes und gleichzeitig bedrückendes Bild: Das gesamte Gipfelplateau ist durchzogen von Schützengräben, Stollen und Granattrichtern. Rostige Kriegsrelikte und gelegentlich Knochenfragmente werden bis heute gefunden.
Die zwei vorgelagerten Gipfel Dente Italiano (2.220 m) und Dente Austriaco (2.203 m) – der „italienische“ und der „österreichische Zahn“ – markieren das frühere Niemandsland. Am 13. März 1918 zündeten die Österreicher hier eine Mine mit 50 Tonnen Sprengstoff unter den italienischen Stellungen – eine der größten Minensprengungen des gesamten Ersten Weltkrieges. Die Sprengkrater sind bis heute sichtbar. 1922 wurde dieses Gebiet zur Zona Sacra (Heilige Zone) erklärt, als nationales Denkmal.
Für diese Tour sollte man eine Taschenlampe nicht vergessen – einige Tunnel sind komplett dunkel. Als deutschsprachiger Wanderer ist man hier weitgehend unter sich – das Gebiet wird fast ausschließlich von Italienern besucht



























































