St. Bartholomä – Archenkanzel – Kührointalm – Grünstein – Schönau am Königssee
Der Rinnkendlsteig zählt zu den eindrucksvollsten Bergpfaden im Berchtesgadener Land. Er verbindet das berühmte Wallfahrtskirchlein St. Bartholomä mit der Kührointalm hoch über dem Königssee – und bietet auf dem Weg dorthin spektakuläre Tiefblicke auf den smaragdgrünen See, der sich zwischen den senkrecht aufragenden Wänden des Watzmann-Massivs und der Reiteralpe windet. Wer den Steig in Angriff nimmt, sollte trittsicher und schwindelfrei sein – die ausgesetzten Passagen verzeihen keine Unkonzentriertheit. Belohnt wird man mit einer der schönsten Aussichtswanderungen der Bayerischen Alpen.
Der Rinnkendlsteig führt im Nationalpark Berchtesgaden durch ein geschütztes Gebiet, das Teil der Kernzone ist. Aufgrund der strengen Schutzbestimmungen gelten hier besondere Verhaltensregeln. Das Betreten des Wald-Wild-Schongebietes wird von 15. Dezember bis 31. Mai nicht empfohlen.
Anreise und Boot
Ausgangspunkt ist die Seelände in Schönau am Königssee. Wer mit dem Auto anreist, parkt in einem der gebührenpflichtigen Parkhäuser oder Parkplätze direkt an der Bushaltestelle „Königssee“. Vom Parkplatz sind es nur wenige Gehminuten bis zum Bootsanleger der Bayerischen Seenschifffahrt.
Mit dem Elektroboot geht es in rund 30 – 35 Minuten quer über den Königssee nach St. Bartholomä. Die Fahrt selbst ist schon ein Erlebnis: links zieht die Watzmann-Ostwand vorbei – mit knapp 1.800 Höhenmetern eine der höchsten Felswände der Ostalpen –, rechts spiegeln sich die Felsen der Hagengebirge im glasklaren Wasser. Bei der traditionellen Trompetenpause demonstriert der Bootsführer das berühmte Echo der Watzmann-Ostwand.
Aufstieg über den Rinnkendlsteig
Vom Schiffsanleger St. Bartholomä (603 m) folgst du zunächst dem breiten Weg ein paar Meter Richtung Wallfahrtskirche, ehe links die Wegweiser zum Rinnkendlsteig und zur Kührointalm auf einen schmalen Pfad in den Wald führen. Schon nach wenigen Metern beginnt der Anstieg: stetig, konsequent, in unzähligen Serpentinen schraubt sich der Steig durch dichten Bergwald nach oben.
Bald schon wechselt der Charakter des Pfades. Wo vorher Wurzeln und Steinstufen den Weg bestimmten, kommen nun felsige Passagen, schmale Bänder und ausgesetzte Querungen ins Spiel. An den heikelsten Stellen sichern Drahtseile und punktuell Eisenklammern den Weg. Die Tiefblicke werden mit jedem Höhenmeter dramatischer: zwischen den Bäumen blitzt der türkisgrüne Königssee auf, der mit zunehmender Höhe immer kleiner wirkt. Du gewinnst hier auf engstem Raum sehr viel Höhe – und solltest dabei jeden Schritt setzen, als wäre er der wichtigste.
Nach gut zwei bis zweieinhalb Stunden flacht das Gelände ab, der Wald öffnet sich – und unvermittelt stehst du auf den weiten Wiesen der Hochfläche von Kühroint.
Sicherheitshinweis
Der Rinnkendlsteig ist nichts für Anfänger. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind nicht verhandelbar. Bei Nässe wird der Fels rutschig, bei Gewittergefahr wird der ungeschützte obere Teil schnell zur Falle. Plane keinen Hund mit, der nicht absolut bergfest ist – und keine Kinder, die nicht klettererfahren sind.
Abstecher zur Archenkanzel
Bevor du zur Kührointalm einkehrst, lohnt sich der Abstecher zur Archenkanzel (ca. 1.346 m). Folge dazu den Wegweisern nach Osten – etwa 10 – 15 Minuten leicht ansteigend durch lichten Bergwald. Plötzlich endet der Weg an einem felsigen Aussichtsbalkon: Die Archenkanzel stürzt rund 700 Meter senkrecht in den Königssee ab.
Der Blick von hier ist legendär: Tief unten zieht sich der See als schmales, smaragdgrünes Band zwischen den Felswänden hindurch – bis hinüber nach Salet am Südende, wo sich der Obersee anschließt. An klaren Tagen erkennt man die Boote als kleine weiße Punkte auf dem Wasser. Direkt gegenüber thront die Watzmann-Ostwand – vom Aussichtspunkt aus wirkt sie noch gewaltiger als von der Seemitte aus.
Zurück geht es auf demselben Weg zur Wegkreuzung und in wenigen Minuten weiter zur Kührointalm (1.420 m). Die bewirtschaftete Alm bietet eine zünftige Brotzeit, hausgemachte Almspezialitäten und – nach dem fordernden Aufstieg – einen wohlverdienten Logenplatz mit Blick auf das Watzmann-Hochplateau.
Abstieg über Grünstein und Bobbahn
Frisch gestärkt geht es Richtung Norden weiter. Vom Almgelände folgst du den Wegweisern nach Schapbachalm / Grünstein / Schönau. Der Weg führt zunächst gemächlich in moderaten Serpentinen durch lichten Mischwald bergab, vorbei an der Mitterkaseralm.
Der Abstieg verläuft ohne ausgesetzte Stellen, ist aber lang und in den steileren Abschnitten knieintensiv. Die markante Schapbachalm umgehst du auf der östlichen Variante, anschließend zieht der Weg unterhalb des Grünsteins (1.304 m) hindurch.
Im unteren Drittel querst du das Trassengelände der ehemaligen Bobbahn am Königssee. Die 1969 erbaute Anlage war einst die erste Kunsteisbahn der Welt für Bob, Rodel und Skeleton, ist aber seit dem Hochwasser 2021 stillgelegt. Die mächtigen Betonkurven, die teilweise noch sichtbar im Wald stehen, geben der Passage einen morbiden, fast lost-place-artigen Charme.
Über den finalen, asphaltierten Almweg erreichst du schließlich wieder die Seelände in Schönau (604 m) – damit schließt sich der Kreis: Direkt an der Anlegestelle der Boote endet die Tour genau dort, wo sie am Morgen mit der Schiffsfahrt begonnen hat.
Kurz, knackig, grandios! Der Weg ist allerdings als Steig T4 markiert mit Klettersteigstellen in A oder sogar B.

















































